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Erhaltung von Kulturpflanzen in der Schweiz

Grundlagen

Zuletzt verändert: 04.11.2016

Die Erhaltung unserer Kulturpflanzen

Die Vielfalt der Kulturpflanzen, die in der Landwirtschaft heute angebaut werden, hat sich gegenüber früher stark vermindert. Die alten Sorten können aber über vielfältige Eigenschaften verfügen, die für Nischenmärkt interessant sind und in Zukunft für die Pflanzenzüchtung wieder wichtig werden könnten. Im Hinblick auf den wachsenden Nahrungsmittelbedarf und die weltweit limitierten Anbauflächen sind angepasste, ressourceneffiziente und ertragsreiche Sorten für die Ernährungssicherheit mitentscheidend. Die Erhaltung der genetischen Vielfalt der Kulturpflanzen ist ein wichtiger Beitrag dafür.

Engagement vom Bund, der SKEK und der Erhaltungsorganisationen im NAP-PGREL

Um den Sortenreichtum der Kulturpflanzen zu erhalten, engagiert sich der Bund konkret mit dem Betrieb der nationalen Genbank bei Agroscope Changins-Wädenswil sowie mit der Umsetzung des «Nationalen Aktionsplans zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft» (NAP-PGREL). Er bezweckt, alte Sorten zu inventarisieren, zu erhalten, zu beschreiben und deren nachhaltige Nutzung zu fördern. Aktuell werden mehr als 18'700 Sorten von 245 verschiedenen Arten erhalten.

Die Erhaltungsorganisationen führen Projekte für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung von landwirtschaftlichen Kultur- und Nutzpflanzen durch. Sie leisten eine wichtige Arbeit in dem sie alte Sorten kultivieren, bestimmen, beschreiben und nachhaltig Nutzen.

Der Nationale Aktionsplan zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft NAP-PGREL

Die Erhaltungsarbeit im Rahmen des NAP-PGREL umfasst verschiedene Aufgaben. Meistens ist die erste Etappe die Inventarisierung (Suche nach Sorten) und die Identifikation dieser gefunden sogenannten Akzessionen. Diese Etappe wird oft schon sinnvollerweise von einer Beschreibung und einer provisorischen Erhaltung der vermeintlich neu gefundenen Sorten in Einführungssammlungen begleitet. Aufgrund von verschiedenen Kriterien (Beispielsweise: ist diese Akzession bereits unter einem anderem Namen erhalten?) wird geprüft ob diese im Rahmen des NAP-PGREL erhalten werden sollen. Diese Sorten kommen dann auf eine Positivliste.

Es folgt die Etappe der eigentlichen Erhaltungsarbeit, die Sorten der Positivliste werden in Primärsammlungen erhalten und für eine sichere Erhaltung in einer Duplikatsammlung abgesichert. Die verschiedene Erhaltungsmethoden sind im Kasten nebenan detailliert aufgelistet.

Die Pflanzen in den Sammlungen müssen wieder auffindbar sein. Auch die erarbeiteten Informationen zu den Eigenschaften der alten Sorten sollen einfach verfügbar sein. Hierfür wird ein zentrales Arbeitsinstrument benötigt, mit welchem die Informationen einfach abgerufen werden können. Dafür gibt es seit 2002 die Nationale Datenbank (www.bdn.ch). Die erhobenen Daten stehen so allen Interessierten öffentlich zur Verfügung.

Erhaltungsmethoden

Nachhaltige Nutzung: Die Sorten die aktuell genutzt werden, bleiben solange sie im Anbau sind automatisch erhalten. Hier leistet sozusagen der Markt die Erhaltungsarbeit.

Erhaltung am Ursprungsort (in situ): Für sogenannte Hotspots (Orte mit grosser pflanzengenetischer Vielfalt) wird die Erhaltung an ihrem Ursprungs-/Fundort angestrebt. Hier haben sie sich unter Einfluss der Standorteigenschaften und Bewirtschaftungsweise angepasst und ihre spezifischen Eigenschaften entwickelt. Für die Erhaltung von diesen sogenannten Ökotypen ist es wichtig, dass diese Einflussfaktoren möglichst konstant gehalten werden können. Einen solchen Hotspot findet man in der Schweiz vor allem bei den Futterpflanzen.

Genbanken: Von Kulturarten, die über Samen vermehrt werden, können die Sorten unter optimalen Bedingungen auch über längere Zeit in Genbanken - ähnlich einem grossen Tiefkühler - gesichert werden. Diese Methode eignet sich unter anderem besonders gut für Getreide- und Gemüsesorten.

Feldsammlungen: In geordneten Pflanzungen werden zum Beispiel die Sorten von Obstarten, der Weinrebe und der Beeren auf Parzellen im Freiland angebaut. Hierzu eignen sich Arten, deren Sorten vegetativ (z.B. über Pfropfungen oder Stecklingen) vermehrt werden.

Erhaltung unter geschützten Bedingungen: Diese Methode erfolgt in geschlossenen Tunnels oder Treibhäusern, wo die Pflanzen vor Befall mit Schadorganismen geschützt werden. Angewandt wird diese Methode vor allem bei von Krankheiten sanierten Pflanzen. Ein Spezialfall dieser Erhaltungsmetode ist die folgende Erhaltung in-vitro.

Erhaltung in-vitro: In-vitro Kulturen ermöglichen die Erhaltung der Sortenvielfalt aus einzelnen Teilen der Pflanzen, wie Stängeln, Meristemen, Blättern oder gar nur einigen Zellen in einem künstlichen Kulturmedium unter kontrollierten Bedingungen. Diese Methode ermöglicht gesundes und virusfreies Material zu erhalten. In der Schweiz kommt diese Methode bei Beeren, Kartoffeln und zum Teil bei Reben zum Einsatz.

Welche Erhaltungsmethode sich technisch am besten eignet, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Vermehrungseigenschaften, das Risiko der Krankheitsübertragung oder die Lagerungsfähigkeit des Pflanzenmaterials der jeweiligen Pflanzenart.

Schaugärten

Einen Überblick über die Schaugärten, die im Rahmen des NAP-PGREL gefördert werden, wie auch über andere Schaugärten gibt die SKEK-Homepage: http://www.cpc-skek.ch/schaugaerten.html